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Neue Ernährungsempfehlungen der DGE: Ein kritischer Blick

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat im März 2024 ihre neuesten Ernährungsempfehlungen veröffentlicht, die sowohl gesundheitliche als auch ökologische Aspekte stärker betonen. Diese Empfehlungen sind das Ergebnis umfangreicher wissenschaftlicher Forschung und basieren auf den neuesten Erkenntnissen zur Förderung einer gesundheitsbewussten und umweltfreundlichen Ernährung.


Hauptinhalte der neuen Empfehlungen

Die DGE empfiehlt, dass eine gesunde Ernährung zu mehr als 75 % aus pflanzlichen und zu fast 25 % aus tierischen Lebensmitteln bestehen sollte. Diese Veränderung spiegelt den wachsenden wissenschaftlichen Konsens wider, dass pflanzliche Lebensmittel nicht nur gesundheitliche Vorteile bieten, sondern auch einen geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Konkret empfiehlt die DGE:

  • Obst und Gemüse: Der Verzehr von fünf Portionen täglich bleibt eine zentrale Empfehlung. Die detaillierte Aufteilung in drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst wurde jedoch entfernt, um den Fokus auf die Gesamtaufnahme zu legen.

  • Fleisch: Der Konsum sollte auf maximal 300 Gramm pro Woche reduziert werden.

  • Milchprodukte: Die Empfehlung wurde auf zwei Portionen pro Tag reduziert, mit der Möglichkeit, diese durch pflanzliche Alternativen zu ersetzen, sofern eine ausreichende Zufuhr von Kalzium, Vitamin B2 und Jod sichergestellt ist.

  • Fette: Pflanzliche Fette, wie sie in Ölen enthalten sind, werden gegenüber tierischen Fetten bevorzugt.


Kritische Betrachtung der Nährstoffsicherung bei pflanzlicher Ernährung

Während die DGE zunehmend auf pflanzliche Ernährung setzt, bleibt die Sicherstellung einer ausreichenden Nährstoffzufuhr, insbesondere bei vegetarischen und veganen Ernährungsweisen, eine Herausforderung. Hier sind einige der kritischen Nährstoffe, auf die geachtet werden muss:

  1. Vitamin B12: Essenziell für die Blutbildung und neurologische Funktionen, ist Vitamin B12 in pflanzlichen Lebensmitteln kaum vorhanden. Veganer sollten daher unbedingt Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel zu sich nehmen.

  2. Vitamin D: Gerade in nördlichen Breitengraden kann die Synthese über die Haut in den Wintermonaten unzureichend sein. Eine Supplementierung oder der Verzehr von angereicherten Lebensmitteln ist ratsam.

  3. Omega-3-Fettsäuren: Diese sind wichtig für die Herzgesundheit und die Gehirnentwicklung. Pflanzliche Quellen wie Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse enthalten Alpha-Linolensäure (ALA), die jedoch nur begrenzt in die wirksameren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt wird. Algenölpräparate können hier eine sinnvolle Ergänzung sein.

  4. Eisen: Pflanzliches Eisen wird schlechter absorbiert als tierisches. Eine Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln kann die Aufnahme verbessern.

  5. Kalzium: Vor allem bei der Reduktion von Milchprodukten ist es wichtig, auf kalziumreiche pflanzliche Alternativen wie angereicherte Pflanzendrinks und grünes Gemüse zurückzugreifen.

  6. Jod: Da Seefisch als Jodquelle in veganen Ernährungsweisen fehlt, sollten Jodsalz oder Algen in den Speiseplan integriert werden.

  7. Zink: Ebenfalls wichtig für das Immunsystem, kann Zink aus pflanzlichen Quellen wie Nüssen und Samen weniger bioverfügbar sein. Hier kann eine bewusste Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel helfen.

  8. Cholin: Cholin ist für die Gehirnfunktion wichtig und kommt in Nüssen, Samen und Hülsenfrüchten vor, jedoch kann eine zusätzliche Supplementierung nötig sein.


Verantwortung von Lebensmittelproduzenten und Politik

Mit der steigenden Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen wächst auch die Verantwortung von Lebensmittelproduzenten und der Politik, die Nährstoffversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Pflanzliche Alternativprodukte sollten so angereichert werden, dass sie eine ausreichende Versorgung mit allen essentiellen Nährstoffen gewährleisten. Hierzu zählen insbesondere Vitamin B12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA), Eisen und Calcium.


Fazit

Die neuen Ernährungsempfehlungen der DGE stellen einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen und gesunden Ernährungsweise dar. Gleichzeitig erfordern sie bei vegetarischen und veganen Ernährungsformen eine bewusste und gezielte Planung, um potenziellen Nährstoffmängeln vorzubeugen. Die wissenschaftliche Basis dieser Empfehlungen unterstützt die positive Wirkung einer überwiegend pflanzlichen Ernährung auf Gesundheit und Umwelt, betont jedoch auch die Notwendigkeit einer ausreichenden Nährstoffversorgung durch sorgfältig ausgewählte Lebensmittel und gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel​.

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